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Primkenauer Memoiren

Vor 90 Jahren

Tod der Prinzessin Feodora

Prinzessin Feodora

Sie gilt als "die letzte deutsche Künstlerin aus Primkenau" (HB Nr.1/89 S.10). Geboren am 3. Juli 1874 als jüngstes Kind des Herzogspaares Friedrich von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg und Adelheid, geb. Prinzessin von Hohenlohe-Langenburg, wuchs sie im Primkenauer Schloß auf. Ihr Bruder war der spätere Herzog Ernst-Günther, eine ihrer Schwestern die spätere Kaiserin Auguste Viktoria. Nach dem frühen Tod des Vaters zog Feodora mit ihrer Mutter und Ernst-Günther für einige Jahre nach Dresden, wo sie zur Schule ging. Schon damals zeigte sie vielfältige künstlerische Neigungen und wandte sich alsbald der Malerei zu. Über 300 Bilder und Skizzen hat sie hinterlassen. Später ließ sie ihre Altstimme ausbilden und sang gern Lieder von Bach und Brahms, war auch gut bekannt mit der Wagner-Familie in Bayreuth. Als sie aus gesundheitlichen Gründen die Malerei aufgeben mußte, wurde sie Schriftstellerin. Drei Romane von ihr sind überliefert, die sie, ebenso wie ihre zahlreichen Gedichte, unter dem Pseudonym F. Hugin verfaßte. Ihre besondere Liebe galt der Natur, die in allen ihren Arbeiten eine Rolle spielt. Ihre Wohnung im Primkenauer Prinzenpalais verließ sie gewöhnlich während der Sommermonate, um auf Reisen zu gehen, am liebsten nach Norden. In der Verwandtschaft avancierte die Unverheiratete zur "Lieblingstante", die für ihre Zeit und vor allem für ihren Stand relativ freie und fortschrittliche Ansichten vertrat. Ihr labiler Gesundheitszustand verschlechterte sich in ihrem letzten Lebensjahrzehnt. Von einer schweren Typhuserkrankung 1906 erholte sie sich nie mehr und sie starb am 21. Juni 1910 in Obersasbach (Baden) an Herzversagen, noch keine 36 Jahre alt.

Feodoras Beisetzung am 28. Juni 1910 in Primkenau wurde zu einem gesellschaftlichen Höhepunkt in der kleinen Heidestadt. Kaiserliche Prinzen hielten die Ehrenwache; zur Trauerfeier erschienen viele Fürstlichkeiten, natürlich die Kaiserin und die Kronprinzessin, preußische Prinzen und Vertreter des sächsischen Königs und des Großherzogs von Oldenburg. Die Prinzessin wurde in der herzoglichen Gruft an der Ostseite der ev. Kirche beigesetzt. 1921 wurde ihr Sarg zusammen mit den anderen aus dieser Gruft in den Park zum Fuchsberg in das dort neu geschaffene Erbbegräbnis überführt.

Feodoras Grabplatte ist bis heute unversehrt.

 

Prinzessin Feodora um 1890