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Primkenauer Memoiren

Vor 200 Jahren gestorben

Magister Andreas Menzel

Pastor in Primkenau 1766 - 1800

Andreas Menzel wurde am 14. Februar 1739 in Kortnitz bei Sprottau geboren, wo sein Vater, Siegmund Menzel, Erb- und Gerichtsscholz war. 1746 wurde er in Sprottau eingeschult und besuchte ab 1750 die Schule in Freystadt. Als Schüler trat er sowohl durch besonderen Fleiß als auch durch seine Herzensgüte hervor. Nach dem Tod seines Vaters ging Andreas Menzel in das Elisabethanum nach Breslau und erwarb sich dort die Berechtigung zu einem Studium, das er ab 1760 an der Universität Halle im Fach Theologie absolvierte. Am 7. August 1762 kehrte Menzel nach Schlesien zurück und wurde zunächst Lehrer an der damals bekannten Waisenanstalt in Bunzlau. Dort lernte er auch seine spätere Frau kennen.

Im Frühsommer 1766 erhielt Andreas Menzel den Ruf nach Primkenau, wo er Nachfolger des im Mai verstorbenen Pfarrers Sutorius wurde. 1769 heiratete er die Bunzlauerin Christiane Friederike Jäschky, mit der er 13 Kinder haben sollte, von denen aber sechs schon früh starben.

Besondere Verdienste erwarb sich Menzel als Lehrer und Förderer der ev. Schule. In dem 1748 erbauten Schulhaus unterrichtete der begabte Pädagoge oft und gern und veröffentlichte auch ein Buch mit dem Titel "Gespräche, Fabeln und Erzählungen für niedere Schulen", das noch lange im 19. Jh. im Gebrauch war.

Er bemühte sich engagiert um eine Verbesserung der trostlosen Schulverhältnisse, die er 1766 angetroffen hatte. Bis 1790 hatte er diese soweit geordnet, daß er im Primkenauer Raum - Ausnahmen die "Winkelschulen" Armadebrunn und Baierhaus - ausgebildete Lehrer herangezogen hatte, die mit behördlichen Ausstellungsurkunden versehen waren.

Ein besonderes Erlebnis in seiner Biographie war ein persönliches Zusammentreffen mit dem von ihm wie von allen evangelischen Schlesiern hochverehrten preußischen König Friedrich II., der in den 70er Jahren auf einer Heimreise nach Potsdam auch das Städtchen Primkenau berührte. Als der König am 17. August 1786 starb, ordnete Menzel für sechs Wochen ein tägliches Trauergeläut zwischen

12 und 13 Uhr an, und alle Musik, auch die Orgel, mußte schweigen. Am 30. Januar 1791 feierte Menzel mit der Primkenauer Gemeinde die 50jährige Jubelfeier der freien Religionsausübung. Seine Festrede wurde in Bunzlau gedruckt und ist uns überliefert.

"Sein" Schulhaus war auf der Ost- und Westseite von je einer großen Linde eingerahmt. Unter der Ostlinde wollte er begraben sein, und dieser Wunsch wurde ihm erfüllt, als er am 8. Februar 1800 einer Lungenentzündung erlag. Als 1821 ein neues, größeres Schulhaus erbaut wurde, mußten die Linden gefällt und das Grab überbaut werden.

Andreas Menzels Grab befindet sich nun unter dem Nordostzimmer des noch immer bestehenden Schulhauses. Er hatte der Kirche mehrere sehr wertvolle Bücher hinterlassen, so die Ehrhardtsche Presbyterologie, Luthers Werke in 7 großen schweinsledernen Folianten von 1573 (Jenenser Ausgabe) und eine große illustrierte Bibel von 1563 (Frankfurter Ausgabe).

All diese Werke waren bis 1945 noch in Primkenau erhalten. In der ev. Kirche befand sich ein Bild des verdienstvollen und beliebten Pfarrers Andreas Menzel, unter dem eine kurze Biographie und Würdigung angebracht war.

Das Primkenauer Bethaus mit Pfarrhaus (l.) und Schulhaus (r.) zur Zeit Menzels