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Primkenauer Memoiren

Vor 130 Jahren:

Gründung des Primkenauer Militärvereins

Unter dem Eindruck des deutsch-französischen Krieges von 1870/71 und der anschließenden Welle nationaler Euphorie bildeten sich überall im neu geschaffenen deutschen Kaiserreich Militärvereine, in denen sich vor allem die Veteranen der Kriege von 1866 und 1870/71 zusammenfanden, die aber auch von Seiten der männlichen Jugend Zulauf hatten.

Am 15. September 1873 wurde in Primkenau ein Militärverein gegründet, dem sofort 80 Mitglieder beitraten. 1931 zählte er bereits 223 Mitglieder. Zu den Gründungsmitgliedern von 1873, die 1931 noch lebten, gehörten der damals 28jährige Theodor Lubrich aus Karpfreiß, der beide Kriege mitgemacht hatte, der 25jährige August Walter aus Primkenau und der 23 Jahre alte Wilhelm Pohl aus Petersdorf, beide Veteranen von 1870/71. Aus dem Kirchspiel Primkenau hatten an den genannten beiden Kriegen ca. 100 Männer teilgenommen. 1866 waren sechs, 1870/71 elf Soldaten gefallen. Der nun gegründete Verein nannte sich in den ersten Jahrzehnten (bis 1908) "Primkenauer Militär-Begräbnis-Verein", weil er sich neben der Pflege der Kameradschaft ,der nationalen Gesinnung und der Feier vaterländischer Gedenktage auch ganz praktisch um die Hinterbliebenen seiner Verstorbenen kümmern wollte. Die Satzung besagte, daß der Verein für " Geleit verstorbener Kameraden zum Grabe und Gewährung von Beihilfen zu den Kosten der Beerdigung an die Hinterbliebenen" zu sorgen habe. Er besaß zwei Fahnen und gehörte dem Kreiskriegerverband Sprottau und damit dem Deutschen Kriegerbund an.

Ein erstes ehrgeiziges Projekt des Vereins war die Errichtung eines Denkmals für die Gefallenen der Kriege von 1866 und 1870/71. Zum 15. Jubiläum war es soweit: 1888 wurde auf dem Markt vor der katholischen Kirche das Denkmal enthüllt. Es handelte sich um eine "Germania" auf hohem Sockel, wie sie damals auch in anderen Städten zur Aufstellung kam, eine aus wirtschaftlicher Not geborene Arbeit des Berliner Bildhauers Gustav Eberlein. Die Primkenauer, die ein teures, individuell angefertigtes Denkmal nicht hätten bezahlen können, bezogen das Kunstwerk von einer Berliner Zinkgießerei, die in den Zeiten eines hohen Bedarfs an Krieger- und Siegesdenkmälern Eberleins "Germania" in mehrfacher Kopie in Vorrat hatte. Das gleichwohl anmutige Denkmal bildete in den kommenden Jahrzehnten einen Blickfang auf dem eher schmucklosen Primkenauer Marktplatz.

Am 8. Juli 1923 beging der Primkenauer Militärverein mit großem Gepränge sein 50jähriges Jubiläum, zu dessen Anlaß auch ein Generalappell des Sprottauer Kreiskriegerverbandes stattfand. Zum Gedenken an die im 1. Weltkrieg gefallenen Kameraden wurde am 30. September 1930 in einer großen Feier ein weiteres vom Verein gestiftetes Denkmal am Eingang zur Stadt an der Sprottauer Straße eingeweiht. (s. Memoire)

Bald nach dem Primkenauer Verein war auch der "Militärverein Henriettenhütte-Lauterbach" gegründet worden. Seine Zielsetzung war ganz ähnlich der des städtischen Vereins, doch legte man noch größeren Wert auf eine funktionierende Jugendgruppe. Am 10. Oktober 1897 wurde eine erste, am 13. August 1927 die zweite Fahne feierlich geweiht. 1931 hatte der Verein 96 Mitglieder. Sowohl in Lauterbach als auch in Henriettenhütte (Bismarckstr.) wurden kleinere, vom Verein gestiftete Kriegerdenkmäler aufgestellt.

Quellen: Primkenauer Wochenblatt vom 1. Februar 1931,Prof. Rolf Grimm, Krieger-/Gefallenen-Denkmäler von den Bildhauern Johannes Janda und Gustav Eberlein (Entwurf, Stand 11/1999)