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Primkenauer Memoiren

Vor 120 Jahren:

Hochzeit des preußischen Kronprinzen Wilhelm mit Auguste Viktoria von Schleswig-Holstein

Vor 80 Jahren:

Tod der letzten deutschen Kaiserin Auguste Viktoria

Auguste Viktoria war das erste Kind des Herzogs Friedrich von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg und seiner Gemahlin Adelheid von Hohenlohe-Langenburg. Ihre frühe Kindheit war geprägt von den politischen Wirren, in die ihr Vater geraten war. Am 22. Oktober 1858 in Dolzig geboren, zog sie 1863 mit den Eltern nach Kiel, wo der Vater als Friedrich VIII. die Regierung übernommen hatte. Bald darauf brach Krieg zwischen Dänemark und den Verbündeten Österreich und Preußen aus, in dessen Verlauf Friedrich entmachtet wurde. 1866 zwang Bismarck Friedrich endgültig zur Abdankung, und die Familie ging erneut nach Dolzig und bald darauf nach Gotha. Als 1869 der Großvater Auguste Viktorias in Primkenau starb, erbte Friedrich die Herrschaft und die Familie zog auf das Familienschloß nach Primkenau. Nun begann eine ruhige und glückliche Zeit für die Prinzessin und ihre Geschwister, an der die Primkenauer Bevölkerung wärmsten Anteil nahm. Früh schon waren die herzoglichen Kinder vom Vater zu sozialem Engagement angehalten worden, das einer einfachen, christlichen Erziehung entsprang.

Ab 1875 wird die Prinzessin zur Erweiterung ihrer Sprachkenntnisse ins Ausland geschickt. Dabei lernt sie in England den preußischen Kronprinzen Wilhelm kennen. Dieser ist nun häufiger als Jagdgast seines Freundes Ernst Günther im Primkenauer Schloß anzutreffen, wo er im April 1879 der jungen Auguste Viktoria einen Heiratsantrag macht. Doch nur in Primkenau ist man wirklich begeistert von der Verlobung. Die europäische Hofgesellschaft empfindet dagegen die Wahl des Prinzen als unpassend, da Auguste Viktorias Familie nach dem Verlust Schleswig-Holsteins an Ansehen eingebüßt hat. Ein Jahr nach dem plötzlichen Tod des Herzogs Friedrich heiraten der Prinz und Auguste Viktoria am 27. Februar 1881 in Berlin. Das Paar wohnt von nun an im Hohenzollernschloß zu Potsdam. Auguste Viktoria führt ein zurückgezogenes, häusliches Leben, wie es ihrer Art und den Erwartungen der damaligen Gesellschaft entspricht. Der Ehe entstammen sechs Söhne und eine Tochter. Im Volk verkörpert die Prinzessin bald das Idealbild der Mutter.

Am 15. Juni 1888 wird Auguste Viktoria durch die Thronbesteigung ihres Mannes deutsche Kaiserin. Von nun an lebt die Familie überwiegend im Berliner Stadtschloß. Als Kaiserin zeigt sie sich bald überzeugend in der Rolle der Landesmutter, die vor allem soziale Einrichtungen fördert und den Armen Trost und Hilfe spendet. So übernimmt sie 1890 die Protektorate über das DRK und den Vaterländischen Frauenverein und gründet den Evangelisch-Kirchlichen Hilfsdienst. Bald kommt sie darüber in Kontakt zur christlich-sozialen Bewegung des Theologen Adolf Stoecker. Nachdem das Kaiserpaar auf einer Palästina-Reise in Jerusalem die ev. Erlöserkirche eingeweiht hat, gründet die Kaiserin dort die evangelische "Kaiserin Auguste Viktoria Stiftung".

In diesen Jahrzehnten ist das Kaiserpaar häufig auch zu Besuch in Primkenau, wohin es vor allem Auguste Viktoria immer wieder zieht. Diese Besuche verleihen dem kleinen Städtchen Berühmtheit und Glanz, der sich in zahllosen Erzählungen, Anekdoten und weitergereichten Fotografien bis heute in der Erinnerung der Primkenauer erhalten hat.

Als 1914 der I. Weltkrieg ausbricht, sieht Auguste Viktoria ihre Aufgabe in der Pflege der Verwundeten und fördert die entsprechenden Einrichtungen. 1918 begleitet sie ihren entthronten Gemahl ins niederländische Exil und bezieht mit ihm in der Provinz Utrecht das Haus Doorn. Dort stirbt sie am 11. April 1921.

Ihre sterblichen Überreste ruhen im Antiken-Tempel des Parks von Schloß Sanssouci in Potsdam.