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Primkenauer Memoiren

Primkenauer Eisenhüttenwerke

vor 140 Jahren: Louis Suren wird Generaldirektor

vor 95 Jahren: Bau derDorotheenhütte

vor 80 Jahren: Umwandlung inAktien-Gesellschaft

Herzog Christian Augusts Interesse richtete sich bald nach seiner Niederlassung in Primkenau 1853 auf die heimische Industrie, die seit Jahrhunderten vorwiegend auf der Eisengewinnung und –verarbeitung basierte. Nachdem der Herzog 1854 das verschuldete Hochofenwerk im Ortsteil Hohenofen, wie Henriettenhütte damals noch hieß, provisorisch saniert und dem Großkaufmann Caesar Godeffroy in Hamburg die kaufmännische Aufsicht übertragen hatte, versuchte er durch zwei Maßnamen das Werk gewinnbringend auszubauen, das er andernfalls still legen wollte: 1859 ließ er die erste Dampfmaschine einbauen und sodann einen Wechsel in der Geschäftsleitung eintreten.

Am 1.4.1860 übernahm der spätere Geheimrat Suren als Generaldirektor die Henriettenhütte, wie sie zu Ehren der jüngsten Herzogstochter nunmehr genannt wurde. Louis Suren war zu diesem Zeitpunkt noch keine 22 Jahre alt, hatte gerade seine Studien des Hüttenfachs in Berlin abgeschlossen und ein Praktikum begonnen. Er war der Neffe des schon lange in des Herzogs Diensten stehenden Beraters Röttecken, der auch den Herrschaftskauf zum Abschluß gebracht hatte. Mit dem gut ausgebildeten, tatendurstigen und ideenreichen jungen Suren begann der Aufschwung der alten Hütte.

Als erstes wurde Suren mit dem Bau eines neuen Hochofens konfrontiert, was die gleichzeitig angestrebte Erhöhung der Produktion erschwerte. Aufgrund der damals gemachten Erfahrungen ließ Suren 1868 den Hochofen wieder ausblasen und auf das moderne Verfahren der Verhüttung englischen Eisens in zwei Kupolöfen umstellen. Auf diese Weise war man unabhängig von der Holzkohle und das englische Eisen ließ sich leichter als das einheimische zu den nun eingeführten Spezialartikeln verarbeiten. Die alten Betriebsgebäude wurden nach und nach durch Neubauten ersetzt und schon 1888 wurde die Hütte elektrisch beleuchtet. Die Belegschaft war inzwischen von anfangs ca. 50 auf 400 Arbeiter angewachsen, 90 000 Zentner Eisen wurden jährlich verarbeitet. Die Erfindung des Emails wurde von Suren alsbald als neues Arbeitsgebiet mit einbezogen. So entstanden die Emaillierwerke mit neuen Schmelz- und Brennöfen. 1896 wurde das Werk durch den Bau der Friedrich-Christian-Hütte (nach den beiden Vorgängern des Herzogs Ernst-Günther) erweitert. Durch die Anlage der Eisenbahnstrecke mit dem Hüttenbahnhof waren Einfuhr und Versand erleichtert worden.

1905 arbeiteten in beiden Werken 900 Menschen, die im Jahr 13 Mill. Kilo Gußwaren herstellten. Im selben Jahr entstanden an der Henriettenhüttener Dorfstraße entlang die Neubauten der Schlosserei, die Gießhalle und weitere Vergrößerungs- und Umbauten, die den Namen Dorotheenhütte erhielten, nach der Herzogin Dorothea Marie. Auch die moderne elektrische Zentrale entstand 1905 jenseits der Bahnlinie.

Unter drei Herzögen hatte Louis Suren als Generaldirektor das alte Hochofenwerk zum modernen Industriebetrieb entwickelt und auch zur Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeiterschaft beigetragen. In Henriettenhütte und Primkenau wurden Straßen nach ihm benannt.

Nach dem Tode des Herzogs Ernst-Günther wurden die Hüttenwerke rückwirkend, auf den Tag genau 80 Jahre nach Surens Dienstantritt, am 1.4.1920 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und trugen nun den Namen "Herzogliche Eisen- und Emaillier-Werke, Aktien-Gesellschaft, Primkenau", abgekürzt "Heeag".

(Quelle: Firmengeschichte nach Behrens und Suren, Firmenarchiv Warstein)

Dorotheenhütte 1905