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Primkenauer Memoiren

Vor 80 Jahren:

Tod des Herzogs Ernst Günther

Ernst Günther, der einzige Sohn und Erbe des Herzogs Friedrich, war beim plötzlichen Tod seines Vaters am 14. Januar 1880 noch minderjährig. Am 11. August 1863 in Dolzig geboren, wurde er durch Pastoren und den Gelehrten Dr. Bomberg erzogen. Als sein Vater starb, machte Ernst Günther gerade sein Abitur am Bitzthomschen Gymnasium in Dresden und ging danach als Student nach Bonn. Sein Onkel Christian führte indessen die Regentschaft für den Neffen, der bereits 1880 Leutnant im Dragoner-Regiment König Friedrich Wilhelm III. in Oels wurde. 1882 versetzte man ihn diensttuend in das 3. Garde-Ulanen-Regiment nach Potsdam.

Am 11. August 1884 wurde die Majorennitätsfeier des Herzogs festlich in Primkenau mit einem anschließenden Hüttenfest begangen. Auch der Prinz Wilhelm v. Preußen, der spätere Kaiser und bereits Schwager des Herzogs, war anwesend und hielt eine launige Rede. Für die nächsten 14 Jahre wurde es nun still in Primkenau, denn zunächst verwaiste das Schloß. Ernst Günther wurde durch seine Studien und Reisen, von denen besonders die nach Indien und Palästina zu erwähnen sind, vor allem aber durch den militärischen Dienst ferngehalten. 1887 wurde er Premierleutnant im Garde-Husaren-Regiment und 1891 als Hauptmann zum großen Generalstab kommandiert. So weilte der Herzog nur gelegentlich zur Jagd in Primkenau. Auch seine Mutter hatte mit den Prinzessinnen Luise und Feodora die Stadt verlassen.

Erst, nachdem Ernst Günther am 2. August 1898 die blutjunge Prinzessin Dorothea Marie von Coburg-Gotha geheiratet hatte, nahm das Ehepaar ständigen Wohnsitz in Primkenau. 1896 98 ließ der Herzog ein neues, prächtiges Schloß im romantischen Stil der Zeit erbauen und alsbald trat am Hof reges Leben ein. Ernst Günther kümmerte sich tatkräftig um alle Zweige der Verwaltung. Sein besonderes Interesse galt der Industrie. Nach dem Bau der Friedrich-Christian-Hütte ließ er 1905 die moderne Dorotheenhütte errichten. In Wolfersdorf wurden große Obstkulturen angelegt und im Bruch große Flächen Sumpfland in Fischteiche umgewandelt. 1907 ließ er den "Jägerhof" auf dem Lerchenberg bauen, auf dem zuvor eine alte Windmühle gestanden hatte. Der Jagd galt seine Leidenschaft, und er lud gern in den Monaten November und Dezember zu großen Hofjagden ein, bei denen oftmals das Kaiserpaar zu Gast war. Diese Ereignisse machten das kleine Städtchen zur glanzvollen Residenz und wurden geradezu legendär in der Erinnerung der Primkenauer.

Erwähnenswert ist auch die soziale Fürsorge des Herzogs wie die Einführung von Arbeiterrenten, die Regelung der Witwenpensionen, die Errichtung vieler Arbeiterrentenhäuser in Henriettenhütte sowie eines Armen- und Krankenhauses in der Stadt. Ein Steckenpferd war ihm das Vereinswesen. Für mehrere Primkenauer Vereine fungierte er als Protektor und den Vaterländischen Verein gründete er gar selbst. Allerdings war er auch Präsident der Deutschen Adelsgesellschaft und des Mitteleuropäischen Wirtschaftsvereins und nebenher noch Protektor des Deutschen Flugverbandes.

Wenig bekannt ist, daß das herzogliche Ehepaar, dem eigene Kinder versagt geblieben waren, zwei Kinder der verwandtschaftlichen Linie Schleswig Holstein - Glücksburg adoptierten, den Prinzen Johann Georg und die Prinzessin Marie-Luise.

In einer Würdigung aus dem Jahre 1926 heißt es, Herzog Ernst Günther, der 1913 zum General der Kavallerie ernannt worden war, habe "während des Weltkrieges zu den Warnern gehört..., auf die man nicht hörte." Er erlebte den Verlust seiner adligen Privilegien, den Gang seiner Schwester mit ihrem kaiserlichen Gemahl ins holländische Exil und die schwierigen Anfänge der Republik. Unerwartet verstarb der Herzog an einer Zahnwurzelvereiterung am 22. Februar 1921. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung und vieler Ehrengäste aus dem Hochadel wurde er auf dem neu geschaffenen Erbbegräbnis im Schloßpark beigesetzt.

 

 

Herzog Ernst Günther