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Primkenauer Memoiren

Vor 70 Jahren :

Der letzte Herzog zu Schleswig-Holstein stirbt

Herzog Albert, "der Letzte seines Stammes", wurde am 16. Februar 1869 im Schloß Windsor zu London geboren. Seine Mutter, Prinzessin Helena von Großbritannien, war eine Tochter der damals regierenden Queen Victoria, sein Vater war Prinz Christian zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg, Bruder des Herzogs Friedrich und mithin Onkel des Herzogs Ernst Günther. In den Jahren 1880-1884 hatte Prinz Christian für den noch minderjährigen Neffen Ernst Günther als dessen Vormund die Herrschaft Primkenau geleitet.

Albert wuchs in England auf und wurde später Offizier bei den preußischen Gardehusaren in Potsdam. Als sein Vetter Ernst Günther, der kinderlos geblieben war, 1921 überraschend starb, übernahm Albert als nächster Verwandter das Fideikommiß Primkenau.

Ernst Günther hatte testamentarisch verfügt, daß seiner Gemahlin Dorothea ein Witwensitz eingerichtet würde. So erhielt sie das Schloß mit Park, das Obstgut südlich des Schießberges und weitere Landstücke. Dieser der Herzoginwitwe zugesprochene Teil wurde vom Gesamtbesitz abgetrennt. Herzog Albert bezog nun eine Wohnung im Prinzenpalais. Er war ein zurückhaltender, freundlicher Herr, der unter starkem Asthma litt. Er blieb unverheiratet und kinderlos.

Herzog Albert kam zu dem Besitz Primkenau zu einer Zeit, in der ein solches Erbe nur Probleme schuf. Während der Inflationsjahre nach dem I. Weltkrieg schmolz das herzogliche Barvermögen schnell dahin, so daß Albert ein großes Waldgebiet südlich der Wolfersdorf-Petersdorfer Straße an die Stadt Bunzlau verkaufen mußte, die den Besitz wenige Jahre später an den Hamburger Zigarettenfabrikanten Reemtsma veräußerte. So waren die 10 Jahre der Herrschaft des Herzogs Albert in Primkenau gekennzeichnet von wirtschaftlicher Not und Niedergang. Am Montag, dem 27. April 1931, verstarb der Herzog, der seinem letzten Wunsch gemäß nicht im Erbbegräbnis der Familie im Schloßpark, sondern inmitten der Primkenauer Bürger auf dem alten evangelischen Friedhof neben der Kirche beigesetzt wurde.

Am 2. Mai 1931 fand mit den Trauerfeierlichkeiten das letzte große fürstliche Ereignis in Primkenau statt. Die ganze Woche hindurch war mittags zwischen 12 und 13 Uhr das große Trauergeläut der beiden Kirchen erklungen. Bewacht von herzoglichen Forstbeamten ruhte der Metallsarg vor dem Altar der ev. Kirche auf einem mit schwarzem Tuch ausgeschlagenen Katafalk. Vor der Kirche bildeten der Militärverein, die Schützengilde und der Stahlhelm Spalier. Um 13.30 Uhr betraten die engsten Leidtragenden, die beiden Schwestern des Verstorbenen und der künftige Erbe, Prinz Wilhelm von Preußen, das bis auf den letzten Platz gefüllte Gotteshaus. Pastor Schottke hielt nach der Liturgie die Trauerrede nach dem Textwort "Danket dem Herrn, denn er ist freundlich...". Die Primkenauer Zeitung vom 4. Mai 1931 berichtet weiter:

"Auf dem Gange zur Gruft, der mit Fichtenbäumchen besäumt und mit Fichtenzweigen bestreut war, setzten sich die Fahnensektionen an die Spitze des Trauerzuges. Wildmeister Horlitz mit dem Ordenskissen, Oberst von Schönstadt, Kammerherr von Behr, der das Trauerzeremoniell leitete, und die Geistlichkeit. Dem Sarge folgten die Prinzessinnen Helena Viktoria und Marie Louise...mit dem Prinzen Wilhelm von Preußen, ferner Prinz Friedrich von Schleswig-Holstein, der Erbgroßherzog von Hessen mit der Prinzessin Heinrich von Preußen, Prinz Hubertus von Sachsen-Coburg-Gotha mit der Prinzessin Friedrich Leopold von Preußen, Prinz zur Lippe mit der Fürstin zu Solms-Baruth [...] und das übrige Trauergefolge.

An der Gruft, deren Umgebung in einen kleinen Fichtenwald umgewandelt war, sang zunächst der Gemischte Chor..., darauf ein Doppelquartett des Männergesangsvereins die Arie "Über den Sternen wohnt Gottes Frieden". Pastor Caspar als Vertreter der katholischen Kirchengemeinde... widmete dem Verblichenen weihevolle Abschieds- und herzliche Dankesworte. Pastor Matzke, Ottendorf, und Superintendent Deutschmann, Mallmitz, sprachen Worte des Gebets. Der Ortsgeistliche, Pastor Schottke, segnete nach kurzem Gebet und Vaterunser die Leiche ein. Ehrensalven des Militärvereins Primkenau knatterten über die Gruft, und die schlichte Trauerfeier war beendet."

 

Herzog Albert zu Schleswig-Holstein