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Primkenauer Memoiren

Vor 110 Jahren:

50jähriges Dienstjubiläum des Hofgärtners W.F. Cornelius

Als der Hofgärtner Cornelius am 1. April 1893 in Primkenau sein 5ojähriges Dienstjubiläum beging, konnte er auf ein bewegtes, ereignisreiches Leben zurückblicken.

Er wurde am 27. Januar 1815 in Imbshausen bei Northeim geboren. Nach dem Schulbesuch begann er eine Gärtnerlehre und ging bald zur weiteren Ausbildung nach Hannover, wo er in den königlichen Gärten Herrenhausen strebsam seiner Arbeit nachging. In Knopp in Holstein machte er sich in den nächsten Jahren selbständig, doch nahm er bald eine Stellung beim Grafen Baudissin an, der ihn auf sein holsteinisches Gut Kletkamp holte. Von dort aus engagierte ihn der Herzog Christian August von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg, in dessen Dienst Cornelius am 1. April 1843 eintrat. Der Herzog, selbst ein Sachverständiger und Liebhaber schöner Gartenanlagen, wußte die Schaffenskraft des jungen Mannes zu schätzen, der sich schon einen Namen gemacht hatte.

Als in den Jahren 1848-50 der Krieg um Schleswig-Holstein geführt wurde, ging Cornelius mitten im Kriegsgetümmel auf der Insel Alsen seinen Pflichten als Gärtner nach. Später erzählte er gern in fesselnder und humorvoller Weise von seinen Erlebnissen in diesen Jahren. Gleichwohl war es auch für ihn eine sorgenvolle Zeit, denn sein weiteres Schicksal hing von dem des Herzogs ab. Als Christian August nun sein Besitztum verlor, bekam Cornelius zunächst die Aufgabe, die herzoglichen Gärten von Gravenstein in Holstein und in Nienstedten bei Hamburg zu verwalten. Dann kaufte der Herzog im Herbst 1853 die Besitzung Primkenau, und im Frühling 1854 wurde diese Stätte der neue Wirkungskreis des Hofgärtners Cornelius. Hier stand er vor völlig neuen Aufgaben, die ihm sicher Freude machten, denn nun konnte er seine ganze Gestaltungskraft zeigen. In einer Laudatio aus dem Jahre 1893 heißt es: "Vor dem Schlosse entstand ein Lustgarten, der sich unter des leitenden Fachmannes Hand von Jahr zu Jahr verschönerte, und auch der etwa 450 Morgen große Park, der, da ein solcher bisher nicht vorhanden war, von Cornelius neu angelegt wurde, gibt das beste Zeugnis von der Sachkunde, der Umsicht und Tatkraft seines Pflegers. Breite Wege durchziehen den schattigen Park, den anmutige, murmelnde Bäche durchrauschen und in dem freundliche Spielplätze und saftige Wiesen den Besucher erfreuen. Ferner wurden auf der ausgedehnten Herrschaft auf den Wunsch des Herzogs, der die ganze Besitzung nach dem Muster eines englischen Parks gestalten wollte, überall Wege angelegt und Gehölzgruppen gepflanzt. Auch wurde das Primkenauer Bruch zum Teil in eine parkartige Anlage umgewandelt, wodurch es ein sehr freundliches Aussehen erlangt hat. Welche Arbeit erforderlich gewesen ist, diese Anlagen zu schaffen, kann nur der ermessen, der den dortigen Moorboden kennt."

Der verdienstvolle Hofgärtner, der sämtliche Primkenauer Anlagen verwaltete und weiter verschönte, blieb im Dienst des Herzogs Friedrich und nach dessen frühem Tod auch im Dienst des Herzogs Ernst Günther, der später den größten Teil des Parks einzäunen und zu einem Wildpark für Hirsche umändern ließ.

Als Cornelius in den Dienst des Herzogs Christian August trat, hätte er nicht ahnen können, daß er fast 40 Jahre seiner Dienstzeit in Primkenau verbringen und zum Gestalter einer neuen herrschaftlichen Anlage werden sollte. Sein 50jähriges Jubiläum war gleichzeitig sein Eintritt in den Ruhestand, den er, geehrt und geachtet von seinen Mitmenschen, in Primkenau verbrachte.

Quelle: Deutsche Gärtner-Zeitung, Nr. 10, Viii. Jg., Erfurt 1893