Stadtgeschichte von Primkenau Kreis Sprottau Regierungsbezirk Liegnitz in Niederschlesien

Primkenau wurde im Zuge der mittelalterlichen Ostkolonisation um 1280 von Herzog Primko (Primislaus) unter Heranziehung deutscher Siedler gegründet, gleichzeitig mit zehn zu Primkenau gehörenden Dörfern: Lauterbach, Gläsersdorf, Wengeln, Petersdorf, Buchwald, Wolfersdorf, Weißig, Krampf, Langen und Ludwigsmühl. Später kamen noch Karpfreiß, Armadebrunn und Baierhaus hinzu, Wengeln und Buchwald gehörten in späterer Zeit zum Kreis Lüben bzw. Glogau.

Die erste urkundliche Erwähnung erfuhr Primkenau 1305. Seit spätestens 1391 war die Herrschaft Primkenau ununterbrochen bis 1630 im Besitz der Freiherren von Rechenberg. 1490 fielen die schlesischen Herzogtümer an Böhmen und 1526 an das Haus Habsburg. Zu dieser Zeit war Primkenau bereits lutherisch reformiert und hatte während der habsburgischen Herrschaft unter religiöser Unterdrückung zu leiden, insbesondere in der Zeit nach dem 30jährigen Krieg. Damals ging die Herrschaft Primkenau in den Besitz der Jesuiten über. 1670 bis 1737 waren die Reichsgrafen von Proskau Herren von Primkenau. Georg Christoph III. von Proskau gewährte bei seinem Amtsantritt 1702 der Stadt die Einrichtung einer Schützengilde und des Schützenfestes.

Nach dem 1. Schlesischen Krieg, den der Preußenkönig Friedrich II. gegen die habsburgische Erbin Maria Theresia führte, wurde Primkenau im Jahre 1742 preußisch. Während der nun einsetzenden religiösen Toleranz wurden 1744 das evangelische Bethaus und das evangelische Schulhaus errichtet. 1776 wurde das Bethaus zur Kirche aus- und umgebaut, erst 1871 erhielt sie einen Turm. Im 18. Jahrhundert befand sich Primkenau unter wechselnder Herrschaft (Grafen Reder 1737-1752, Graf Reuß bis 1780, Frhr. von Seherr-Toß bis 1791, danach bis 1853 die Freiherren Bibran bzw. Block-Bibran). Am 16. April 1804 wurde die Stadt durch einen verheerenden Brand fast völlig vernichtet. In der Feuersbrunst gingen auch wertvolle Dokumente der Stadtgeschichte unwiederbringlich verloren. Primkenau wurde danach wieder mit etwas verändertem Stadtbild aufgebaut und erhielt das Aussehen, wie es bis heute weitgehend erhalten ist.

1853 kaufte der Herzog Christian August zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg die Herrschaft und machte es zu seiner Residenz. Vor allem durch die Förderung von Industrie modernisierte er das kleine Provinzstädtchen. Primkenau blieb im Besitz der Herzöge von Schleswig-Holstein bis 1931, als Herzog Albert ohne Nachkommen starb. Das Erbe fiel an den Hohenzollern-Prinzen Wilhelm, den Sohn des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. und seiner Gemahlin, der Kaiserin Auguste Viktoria, die in Primkenau aufgewachsen war. Sie war die Tochter des Herzogs Friedrich und die Schwester des Herzogs Ernst Günther, der bis 1921 Herr auf Primkenau war. Im Jahre 1879 verlobte sie sich in Primkenau mit dem späteren Kaiser. Durch die häufige Anwesenheit des Kronprinzen- und später des Kaiserpaares und die dann stattfindenden "Kaiserjagden" rückte Primkenau in den Blickpunkt der Öffentlichkeit und wurde zum Anziehungspunkt zahlreicher Besucher.

Auch die außerordentlich schöne natürliche Lage der Stadt machte Primkenau zu einem idealen Ort für Erholungssuchende und Naturfreunde. Am Südrand der Sprottauer Heide gelegen, ist die Stadt eingerahmt von großartigen Laub- und Mischwäldern, in denen manches Naturdenkmal bis heute zu bestaunen ist. Am bekanntesten ist wohl die bei Petersdorf stehende "Tausendjährige Eiche", die nach neuen Untersuchungen immerhin 700 Jahre alt ist. Nordöstlich hinter Primkenau erstreckt sich ein urtümliches Bruchgebiet, das mit seinen teils künstlich angelegten Teichen einer vielfältigen und seltenen Vogelwelt ungestörte Heimat bietet. Seit 1925 steht das Gebiet bis heute unter Naturschutz. Zur Zeit der schleswig-holsteinischen Herzöge war dort die Försterei Adelaidenau eingerichtet.

Das Primkenauer Schloß war im Laufe der Jahrhunderte oftmals erneuert worden. Zunächst soll es der Überlieferung nach nur ein Jagdhaus des Stadtgründers gegeben haben, später ein einfaches Herrenhaus, das im 17. Jahrhundert zu einem Renaissanceschloß aus- und umgebaut wurde. 1772 wurde es nochmals erweitert und restauriert. Herzog Christian August ließ 1853 ein neues Schloß im Tudor-Stil errichten, das schon 1896 einem phantasievollen Neubau weichen mußte. Der weitläufige Schloßpark enthielt neben dem alten Baumbestand auch zahlreiche exotische Bäume und Pflanzen, die die Schleswig-Holsteiner Herzöge pflanzen ließen. Die Schloßteiche - der größte mit einer Insel in seiner Mitte - war mit großen Goldkarpfen besetzt. Für die Kinder des Herzogs Friedrich war ein Prinzeßhäuschen im Stile eines Schweizer Bauernhauses gebaut worden, gegenüber befand sich die sog. Verlobungsbank, die an die Verlobung des Kaiserpaares erinnern sollte. Auf einer Erhebung, dem Fuchsberg, war 1920 ein idyllischer kleiner Waldfriedhof mit einer Holzkapelle als Erbbegräbnis für die Herzöge und ihre Familien angelegt worden. Unweit davon hatte Herzog Ernst Günther 1906 den romantisch gelegenen Jägerhof bauen lassen, der zum Ziel vieler Spaziergänger wurde. Am südlichen Rand des Schloßgeländes stand das Prinzenpalais mit seiner Front zum Marktplatz; dem Schloß gegenüber befanden sich die Verwaltungsgebäude sowie der Marstall.

Aus den Eisenhämmern des Mittelalters ging 1794 der erste Hochofen hervor. Die nun entstehende Ansiedlung um das Werk entwickelte sich schnell zum Stadtteil Hohenofen, der 1906 in Henriettenhütte umbenannt wurde. Die Herzöge von Schleswig-Holstein förderten und erweiterten das Eisenhüttenwerk (Friedrich Christian-Hütte und Dorotheenhütte), das um 1920 etwa 1100 Menschen beschäftigte. Die Erzeugnisse reichten von emaillierten Kochtöpfen über sanitäre Anlagen bis zu Röhren aller Art und wurden weltweit exportiert. 1925 fusionierte das Werk mit der Wilhelmshütte in Warstein und wurde in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Bis 1945 firmierte es unter dem Namen Warstein Heeag.
In der heimischen Wirtschaft spielten außerdem Fischzucht und Obstanbau eine große Rolle. In 44 Teichen mit einer Gesamtfläche von über 1000 Morgen wurde ein jährlicher Ertrag von 1000 Zentnern Karpfen und Schleien erzielt. Zwischen Wolfersdorf und Weißig befand sich eins der größten Obstanbaugebiete Schlesiens.
Nachdem das Dorf Neuvorwerk bei einem Waldbrand 1904 nahezu vernichtet wurde, kaufte der Hamburger Industrielle Philipp Reemtsma in den 30er Jahren das Gebiet und ließ im Geist der Zeit ein germanisches Musterdorf errichten. Der Reichsarbeitsdienst baute das Inselparkbad aus und führte Arbeiten im Sprottebruch zur Landgewinnung aus. Dort wurde anschließend das Dorf Hierlshagen gebaut, Neusiedler aus West- und Norddeutschland wurden herangezogen.

Primkenau wurde Ende des II. Weltkrieges, am 12. Februar 1945, von sowjetischen Truppen besetzt, nachdem die Stadt durch Artillerie beschossen und beschädigt worden war. Das Schloß brannte aus, ebenso die Häuser am westlichen Ende des Marktplatzes. Die Bevölkerung wurde, soweit sie nicht geflohen war, zur Versorgung des Viehs und zu Verladearbeiten auf dem Bahnhof herangezogen. Die Industrieanlagen wurden demontiert und in die SU verbracht, leerstehende Häuser ausgeplündert und gelegentlich abgebrannt, so auch das Prinzenpalais und das Jagdschlößchen Jägerhof. Auch in Primkenau und in den umliegenden Dörfern gab es Kriegsgreuel wie Vergewaltigungen, Mord und Totschlag. Viele Menschen nahmen sich selbst das Leben. Die Grabstätten der herzoglichen Familie wurden geschändet und ausgeraubt.
Den sowjetischen Truppen folgten polnische Zivilisten, unter ihnen viele Heimatvertriebene aus Ostpolen und anderen Ländern, die in Schlesien angesiedelt wurden. Nach und nach, zuletzt im Dezember 1946, wurde die verbliebene deutsche Bevölkerung, überwiegend alte Leute und Frauen mit Kindern, vertrieben und ausgeplündert.

Durch die Beschlüsse der Siegermächte wurde Primkenau (heute: Przemków) wie der größte Teil Schlesiens polnisch. Bis 1989 war es ein militärischer Standort der Sowjetarmee. Das Dorf Neuvorwerk wurde nach dem Kriege dem Erdboden gleichgemacht, da hier ein Truppenübungsplatz entstand. Auch Armadebrunn verschwand von der Landkarte. Przemków verlor vorübergehend seine Stadtrechte, die es erst 1959 wiedererlangte. Die Metallindustrie wurde in den 50er Jahren wieder ausgebaut, jedoch nie modernisiert, so daß nach der Wende 1989 die Aufträge ausblieben. Das Werk arbeitete 2001 nur noch mit 50 Personen in der Herstellung von Röhren. Auch die örtliche Schuhfabrik, die zuletzt in der Friedrich Christian - Hütte untergebracht war, hielt der Konkurrenz nicht stand. Seit 1999 gehört Przemków zum Kreis Polkowice (Polkwitz), wo nach 1989 neue Industrie, darunter ein VW-Werk, entstanden ist. Przemków hat heute rund 6000 Einwohner (1939: rund 5000).
Die gut erhaltene Schloßruine wurde ca. 1972 abgerissen, ebenso das alte Rathaus von 1804. Die deutschen Friedhöfe wurden zum Teil gewaltsam zerstört. Die evangelische Kirche wurde gerettet, indem sie der russisch-orthodoxen Gemeinde übergeben wurde. Sie wurde, ebenso wie die katholische Kirche am Markt, in den 80er Jahren vollständig renoviert.

Nach der Wende begann man in den 90er Jahren, die Stadtgeschichte zu erforschen. 1998 wurde ein Heimatverein mit dem Namen "Freunde der Stadt Przemków und Umgebung" gegründet, der sich für die Erhaltung der noch vorhandenen deutschen Relikte einsetzt. Im Schloßpark haben Sanierungsarbeiten begonnen, die auch die Restaurierung der herzoglichen Grablege einbeziehen, verschiedene Gebäude stehen unter Denkmalschutz.

Bisheriger Höhepunkt der Hinwendung zur deutschen Stadtgeschichte war die festliche Einweihung einer deutschen Gedenkstätte neben der ehemals evangelischen Kirche, die gemeinsam vom dortigen Heimatverein unter Mitwirkung des Bürgermeisters Sawa und der örtlichen Pfarrer mit dem "Förderkreis für die Geschichte Primkenaus und Umgebung e. V." organisiert und durchgeführt wurde.